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Archive for December, 2006

Weihnachten in Seattle

December 23, 2006 Leave a comment

Oder: Was man sich im Dezember so alles in den Vorgarten stellt

Hallo Freunde der nahtlosen Bratkartoffel, heute (am Freitag, dem 22. Dezember 2006) zeige ich Euch, wie sich die Amerikaner zu Weihnachten ihre Vorgärten mit Plastikplunder verschönern! Als erstes geht’s zur legendären Candy Cane Lane (Park Road NE), im Stadtteil Ravenna. Diese kleine Straße hat ein Nachbarschaftsabkommen, nach dem sich alle Anwohner richten und brav ihre Häuser dekorieren, wie diese feinen (heute Nachmittag aufgenommenen) Fotos beweisen:

Und jetzt geht’s nach West Seattle, wo es auch schicken Plunder zu gucken gibt (diese Fotos hatte ich schon letzten Winter geschossen, an so einem schönen Dezemberabend kurz nach Sonnenuntergang):

Da sich ja alle so doll anstrengen, braucht man selber nichts anderes machen, als mit dem Auto kurz vor’m Dunkelwerden durch die Gegend zu gurken und sich den Spaß anzugucken.

Bei uns geht am 24.12 folgendes ab: Gerrys gesamte Familie (7 Erwachsene und 4 Kinder) wird um 13.00 Uhr zum Kaffeeklatsch erscheinen. Es gibt zünftige Hot Dogs mit Wiener Würstchen aus dem Bavarian Meats Shop am Pike Place Market und dann natürlich Sekt und Kaffee und Kuchen. Ich hab mir schon Rezepte rausgesucht und werde mich morgen einer Käsetorte, einem Pfirsichkuchen mit 2 Böden (Maike, Dein Rezept, oder besser, das, was Du von meiner Mutter hast!) und einer Apfeltorte widmen. Mal sehen, ob ich das alles hinkriege.

Am 25.12 gehen wir auf die alljährliche Christmas Party bei Andy und Bruce, wo immer so zwischen 20-25 Leuten zum Christmas Dinner geladen sind. Mir hat Andy diesmal wieder Gemüse aufgebrummt, also muss ich Erbsen und Bohnen mitbringen. Für 25 Leute!! Massenware.

Mal sehen, wie sich dieses Jahr wieder alle benehmen. Ich werde berichten.

Schöne Weihnachten! — T.

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Categories: Seattle

Sturm und Drang in Seattle

December 20, 2006 Leave a comment
 
Es ist Dienstagabend, der 19. Dezember. Ich habe bis zum Jahresende Urlaub, ein Glück. Das ging etwas früher als geplant los, nämlich am Donnerstagabend letzte Woche. Schon auf der Nachhausefahrt von der Arbeit war es wahnsinning windig. Der Wetterbericht hatte Sturm vorhergesagt. Wir hatten schon Dienstagnacht davor Stromausfall zu Hause gehabt, jedoch nur ein paar Stunden lang. Fiel nicht weiter unangenehm auf. Donnerstagabend ging’s jedoch voll los. Als Resultat waren über eine Millionen Einwohner ein paar Tage lang ohne Strom. Bei den meisten ging’s dann so Sonntag wieder, aber einige Tausend sitzen heute noch im Dunklen und Kalten. Wir hatten Glück: Es war lediglich des Nachbarn Flieder auf unsere Auffahrt gefallen. Unsere Straße selbst traf es härter. Mehrere Bäume hatten die überirdischen Stromleitungen abgerissen.
 

Außerdem hatte sich ein Stückchen weiter hoch eine Schlammlawine mit Bäumen und Geröll auf die Straße ergossen, so dass erstmal alles ein paar Tage lang gesperrt war (sehr unpraktisch). Wir waren nur noch heilfroh, dass nichts weiter passiert war. Freitagmorgen rief mich meine spanische Freundin Catherine an. Sie und ihr Mann Enrique waren so gut wie obdachlos, da auf ihr (zum Glück gemietetes) Haus zwei Bäume gestürzt waren, die das Dach an mehreren Stellen so doll aufgerissen hatten, dass das Regenwasser innen an verschiedenen Wänden nur so herunterlief.
 

Microsoft war komplett ohne Strom (alle 40+ Gebäude), also fuhr ich rüber zu Catherine und Enrique, um ihnen beim Einpacken ihrer Sachen zu helfen (vorher reservierte ich ihnen einen public storage space und eine Umzugsfirma). Am Samstag war dann ihr gesamtes Hab und Gut sicher untergebracht. Jetzt müssen die beiden noch kurz mal so vor Weihnachten ein neues Haus finden, wie ätzend!
 
Um den Reitstall drumherum sah es auch wüst aus, mehrere Bäume über dem Reitplatz sowie auf den umliegenden Koppeln. Die Pferde noch alle etwas aus der Tüte, nervös und schreckhaft. Bei jedem kleinen Geräusch zuckte meine Schimmelstute zusammen, als wir nebenan auf dem Platz ein paar Runden drehten.

Jetzt soll es diese Woche schon wieder windig werden, wie nervig! In den Geschäften gibt’s schon keine Batterien und Taschenlampen mehr zu kaufen… Vielleicht geht’s ja diesmal glimpflicher ab. Hoffen wir’s mal!
 
Demnächst mehr…
T.

Categories: Seattle

Novembersaga

December 1, 2006 Leave a comment

Es ist Donnerstagabend, der 30. November 2006. Morgen ist schon Dezember! Wahnsinn, und schwupp ist das Jahr fast vorbei. Der November war der nasseste seit den fünfziger Jahren. Wer hätte das gedacht? Mir kommt jeder November hier nass vor, ok, in diesem hat’s besonders geregnet, aber dass es weitaus mehr als in vorherigen Jahren war ist mir nicht so aufgefallen. Obwohl ich gestehen muss, dass ich draußen zwei Mal klitschnass geworden bin als ich meine Regenrinnen „cleanouts“ gesäubert habe – das sind so Klappen, die man aufmachen kann, um Blätter und sonstiges Geröll zu beseitigen, das sich in einem Sieb fängt. Bei den Wassermengen, die sich vom Himmel wälzten, kam dann ja gleich das restliche Laub mit runter. Jedenfalls war da so’n Druck drauf, dass mir beim Öffnen der Klappen immer ein Riesenschwall Wasser entgegen schoss, absolut ätzend. Kalt und eklig. Und noch einmal umziehen. Letzte Woche hat’s dann erstmal zwei Tage lang geschneit zur Abwechslung, und wir konnten gleich nicht zur Arbeit (zu hügelig hier, keine Streufahrzeuge…). Das war schööön!

Über Thanksgiving war Claudia aus Hamburg hier, wir haben uns prächtig amüsiert. Eine Woche lang shoppen, essen, auf Parties, Movies gucken – unter anderem auch einen hervorragenden deutschen Film: Die Apothekerin. Sehr zu empfehlen!

Natürlich haben wir auch meiner Lieblingstouristenattraktion in Seattle mehrere Besuche abgestattet: Pike Place Market

Am Strand waren wir auch noch kurz, aber da tobte es zu sehr:

Am Thanksgiving „Turkey“ Donnerstag waren wir bei Gerrys ältestem Bruder zum Dinner eingeladen. Jeder musste was Essbares mitbringen. Als wir dort ankamen, war’s erstmal saukalt in der Bude (er war beim Kochen etwas ins Schwitzen geraten und hatte die Heizung komplett ausgestellt). Nach unserem Protest hat er sofort den Kamin befeuert, aber leider den Schornsteinabzug nicht geöffnet, wodurch sich die Bude binnen einer Minute mit Rauch füllte, was den Feuermelder lostrat. Ich zog mir erstmal meine Jacke wieder an und wartete „Draußen vor der Tür“ (das erinnert mich jetzt an eines meiner Lieblingsbücher von Wolfgang Borchert, müsste man mal wieder lesen). Nach einigen Minuten war der Rauch dann abgezogen, wobei auch noch – beim hektischen Öffnen eines Fensters – eine Jalousie in Dutt ging. Ein guter Start. Claudia fand das alles sehr amüsant, ich auch. Gerry war etwas genervt. Dann trudelten die anderen Familienangehörigen so langsam ein, und die Stimmung stieg. Alles in allem hatten wir einen netten Thanksgiving-Abend. Der Feuermelder hatte jedoch Blut geleckt und ging alle Stunde noch mal los, aber einer hat dann immer so’n Knöpfchen gedrückt und wir hatten wieder Ruhe. Bei der letzten Knöpfchendrückaktion fiel Gerrys Bruder halb vom Stuhl und rammte sich die Lehne in den mit Turkey gefüllten Bauch, und da war die Party dann auch bald zuende.

Das war eine kurze Bestandsaufnahme von mir. Im Dezember wird es mehr zu berichten geben. Da hab ich 2 Wochen frei und mehr Zeit zum Dichten.

Haltet Euch!

T.

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